Badische Zeitung und SPD

Ich lese die Badische Zeitung seit ich hier lebe. Ich tue dies im Wesentlich deshalb, weil ich wissen will, was in und um meine Heimat herum so passiert. Seit ich in der Kommunalpolitik unterwegs bin, ist das natürlich noch wichtiger aber mein Leseverhalten war und ist davon unbeeindruckt. Es ist schon immer der Lokalteil, der mir wichtig ist.

Aber natürlich liest man auch den Rest der Zeitung und nicht wenig davon finde ich gut gelungen. Ich bin also nicht derjenige, der dauernd über sein Provinzblatt mault oder meint, dass die eigene Partei systematisch runtergeschrieben wird. Besonders SPD-freundlich ist das Blatt zwar nicht, aber welche Zeitung ist das schon (vorwärts ausgenommen).

Schlimm war allerdings die Berichterstattung zum Verzicht Sigmar Gabriels und Nominierung von Martin Schulz. „Gabriel wirft hin“ stand da in großen Buchstaben und was darunter kam, das traf weder meinen noch den allgemein sonst transportierten Eindruck zu den Ereignissen. Da ging es nur um ein finales Rumtrampeln auf jemanden, der vermeintlich schon am Boden lag. Der Kommentar von Thomas Fricker blies ins selbe Horn, kloppte auf Gabriel ein und sprach Schulz jegliche Eignung ab.

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Hingehen wo es stinkt? Sofort jetzt, aber wehe wenn …

Was soll denn das für ein bescheuertes und sinnentleertes Gabrielbashing sein, liebe Zeit? Merkt Kolumnistin Mely Kiyak denn gar nicht, dass sie sich selbst widerspricht?

Da lobt sie ausdrücklich (und sehr zurecht) Sigmars Rede von 2009 und zitiert ihn sogar umfangreich:

Wir dürfen uns nicht zurückziehen in die Vorstandsetagen, in die Sitzungsräume. Unsere Politik wirkt manchmal aseptisch, klinisch rein, durchgestylt, synthetisch. Und das müssen wir ändern. Wir müssen raus ins Leben; da, wo es laut ist; da, wo es brodelt; da, wo es manchmal riecht, gelegentlich auch stinkt. Wir müssen dahin, wo es anstrengend ist. Weil nur da, wo es anstrengend ist, da ist das Leben.

Kiyaks Applaus könnte größer nicht sein:

Gottverdammtsoisses. Yeah!

Aber dann: Wehe Gabriel geht genau dahin, wo es stinkt. Wo es gewaltig stinkt. Wo es nach Pegida stinkt. Zur Pegida.

[Eigentlich nicht wirklich zur Pegida, sondern zu einer Veranstaltung über die Pegida bei der auch die Pegida da ist. Dieses Detail ist der Autorin aber zu anstrengend.]

Egal: Er stellt sich diesen Dumpfbacken, diskutiert mit ihnen und vertritt unsere Werte. Umgotteswillen*: Das will man dann auch nicht.

Hingehen wo es stinkt? Sofort jetzt, aber wehe wenn …

Manchmal bekomme ich schlagartig ein Idee davon, warum viele Politiker sind, wie sie oft leider sind. Und das ist nicht gut.

* Um das gleiche Stilmittel wie die Kolumnistin zu verwenden.