Zwei Gedanken zum Freiburger Vergewaltigungsfall

Ich wollte nichts dazu schreiben. Hauptsächlich, weil es sich für mich so anfühlt, dass das Opfer dieser furchtbaren Tat mit jeder Zeile, die man dazu schreibt, nochmal zum Opfer wird. Diese Gefahr besteht und ich will einfach diese menschliche Tragödie nicht für politische Zwecke missbraucht sehen. Auch nicht für meine und ja, diese Gefahr besteht.

Trotzdem muss ich dazu ein paar Anmerkungen los werden.

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Im Westen nichts neues?

Das mag man ob dieses herrlichen Zitats denken:

„Es schien geschwollen von Gift, die durchsichtige Haut spielte in allen Farben, und man sah die Eingeweide sich winden wie Gewürm. Es war groß genug, um Furcht einzuflößen; dabei öffnete es die Krebsscheren nach allen Seiten rund um den ganzen Leib; bald hüpfte es wie ein Frosch, dann kroch es wieder mit ekelhafter Beweglichkeit auf einer unzähligen Menge kleiner Füße. Mit Entsetzen wandte ich mich weg: da es mich aber verfolgen wollte, fasste ich Mut, warf es mit einem kräftigen Stoß auf den Rücken und sogleich schien es mir nichts als ein gemeiner Frosch. Ich erstaunte nicht wenig, und noch mehr, da plötzlich Jemand ganz dicht hinter mir sagte: Das ist die öffentliche Meinung.“ (Friedrich Schlegel, 1799)

Im Westen nichts neues, oder: Wenn man an die Pegidas und AfDs dieser Zeit so denkt, dann hat sich wohl seit damals nicht so viel geändert.

Entdeckt in diesem ebenso wundervollen Rant von Sebastian Gierke in der Süddeutschen.

Flüchtlingsdiskussion

In dieser aufgeheizten Atmosphäre zwischen dem zumindest unreflektiert erscheinenden „Refugees welcome“ und dem blanken Rassismus á la Pegida, AfD & Co. ist es sehr schwer, die auf einen einprasselnden Meinungen und Bewertungen zu sortieren und einzuordnen.

Vielleicht der beste Weg: Man lese die Berichte derer, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Das filtert dann ganz schnell die Extremmeinungen weg und bringt die Diskussion auf einen neutralen, realistischen Punkt.

Zwei zufällig entdeckte Beispiele der letzten Tage:

Allgemeiner Tenor: Das wird nicht einfach, da kommen keine reinen Engel. Aber eben auch keine Terroristenscharen. Die kulturellen Unterschiede sind gewaltig und manche Vorstellung der Flüchtlinge sind schlicht grottenfalsch, aber es kommen Menschen um die man sich kümmern muss und diese Kümmern wirkt und es ist auch sehr erfüllend für die, die sich kümmern.

Ich glaube, diese Einstellung und diese Erfahrungsbasis ist auch die beste Grundlage für eine vernünftige Flüchtlingspolitik. Das mag dann nicht so publikumswirksam sein, weil man keine einfachen Lösungen für komplizierte Probleme anbieten kann, aber es kommt was ordentliches dabei raus.

Fazit: Am Dienstag geht’s zum Helferkreis in meinem Heimatort.

Es gibt keinen „Asylmissbrauch“

In einem sehr einfühlsamen Beitrag auf Zeit online entlarvt Karamba Diaby die gefährliche und menschenverachtende Sprache der christsozialen Union á la Seehofer.

Ein sehr wichtiger und lesenswerter Beitrag.

Gerade in der aufgeheizten Stimmung dieser Tage ist es wichtig, auf die Sprache zu achten. Seehofer spielt bewußt mit dem Feuer und zündelt genau da, wo andere schon mit dem Benzinkanister bereit stehen. Das darf nicht unwidersprochen bleiben.

Ungebremste Immigration ein Segen?

Dass wir Immigration brauchen, das ist völlig klar, denn wir sorgen nicht für ausreichend Nachwuchs. Dass es beschämend für die reiche EU ist, dass im Mittelmeer Flüchtlinge zu hunderten ertrinken, ist auch klar. Aber ebenso klar scheint es uns, dass wir nicht einfach die Grenzen öffnen können. Der Ansturm würde uns überrennen. Ist das so? Nach einem Artikel auf vice.com genau nicht.

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